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Ai WeiWei – Never Sorry

Ai WeiWei

Ai WeiWei

 

Kunst ist Leben und Leben und Kunst sind eins. Eine Aussage, die wenige Menschen so sehr verkörpern wie der chinesische Künstler Ai Weiwei. Hierzulande eher als Regimekritiker und Dissident bekannt als für sein künstlerisches Schaffen. Dabei findet sich Ai’s Kritik am System stets in seiner Kunst wieder und seine Werke entstehen immer aus dem tagesaktuellen Geschehen in der Volksrepublik. Diese Einheit von Kunst und Leben will der Dokumentarfilm Ai Weiwei – Never Sorry der Regisseurin und Journalistin Alison Klayman dem Publikum nahe bringen.

Sie zeichnet ein sehr detailliertes Bild des Menschen Ai im Verhältnis zu seinem Umfeld und zu seiner Kunst. Sie zeigt einen Menschen, der sich mit einem System nicht abfinden will, nicht abfinden kann, welches freie Meinungsäußerung einschränkt und Querdenker radikal einzuschüchtern versucht.

Am 12 Mai 2008 um 14:28 Ortszeit bebte in der chinesischen Provinz Sichuan, etwa 1550 Kilometer südwestlich von Peking, die Erde. Mehr als 85.000 Menschen starben, über fünf Millionen wurden Obdachlos. Unter den Toten waren auch viele Kinder, die von einstürzenden Schulgebäuden begraben wurden. Verschiedene Bürgerrechtler und Aktivisten untersuchten den Fall und fanden heraus, dass viele Schulgebäude aufgrund von Korruption innerhalb der Lokalregierung mangelhaft gebaut waren und im Gegensatz zu benachbarten Gebäuden dem Erdbeben nicht standhalten konnten.

Vermutlich aufgrund dieser Nachforschungen wird der Bürgerrechtler Tan Zuoren verhaftet und zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt, wegen „Anstiftung zur Untergrabung der Staatsgewalt“ und „Subversivem Verhalten“.

Die Fassade eines Münchner Museums verkleidete Ai Weiwei, während einer Ausstellung mit Rucksäcken, wie sie chinesische Kinder tragen.

Die Fassade eines Münchner Museums verkleidete Ai Weiwei für eine Ausstellung mit Rucksäcken, wie sie chinesische Kinder tragen.

Ai Weiwei hatte Tan bei seinen Untersuchungen unterstützt, indem er ein Register aller getöteten Schulkinder erstellte, was die Regierung selbst verweigert hatte.

Zudem sollte er 2009 in dem Prozess gegen Tan Zuoren aussagen, wurde aber von der örtlichen Polizei am Erscheinen vor Gericht gehindert und von einem Polizisten so heftig geschlagen, dass er sich im September 2009 einer Operation wegen Hirnblutungen unterziehen musste.

Seit dem Beben hat Ai Weiwei zusammen mit Freiwilligen ein jährliches Projekt zum Gedenken initiiert. Etwa eine systematische Auflistung aller Kinder, deren Leben das Erdbeben forderte, sowie Audioaufnahmen, bei denen Freiwillige in einer Endlosschleife jeden einzelnen Namen vorlesen.

Er hat mehrfach versucht, auf Körperverletzung gegen die Staatsmacht zu klagen, jedes Mal erfolglos. Wiederholt sah er sich Repressalien ausgesetzt, unter anderem wurde er dazu gezwungen, sein eigenes Atelier in Shanghai abzureißen, was er jedoch nutzte, um die Öffentlichkeit erneut auf Missstände aufmerksam zu machen, indem er eine Art Abrissparty ausrichten ließ. Er selbst konnte daran allerdings nicht teilnehmen, da er unter Hausarrest gestellt wurde.

Am 3 April 2011 wurde Ai Weiwei in Beijing verhaftet und an einen unbekannten Ort gebracht. Trotz internationaler Proteste blieb er zweieinhalb Monate, bis zum 22. Juni 2011, in Haft. Er kam nur gegen Kaution und unter strengen Auflagen frei, so durfte er nicht mit Journalisten reden und durfte Peking auf ein Jahr nicht mehr verlassen. Ihm werden, sehr wahrscheinlich als Vorwand, Steuerflucht sowie inzwischen auch illegaler Devisenhandel und die Verbreitung von Pornographie vorgeworfen. Zudem wird er bis heute daran gehindert, das Land zu verlassen.

Der Film Never Sorry begleitet Ai Weiwei über diese drei Jahre hinweg, von dem Erdbeben in Sichuan 2008 bis zu seine Festnahme und späteren Freilassung unter Bedingungen im Jahr 2011. Dabei werden aber immer wieder auch, anhand von Fotos oder alten Filmaufnahmen, Blicke auf Ais Vorgeschichte, seine Entwicklung als Künstler und auf seine Familiengeschichte geworfen, was hilft, seine Motivation als Aktivist zu verstehen.

Ai Weiwei kommt einem dabei nicht nur als Aktivist und Künstler näher, sondern auch als Mensch. Der Film beleuchtet ihn nicht nur auf intellektueller, sondern auch auf emotionaler Ebene und offenbart dabei einen Menschen, der sehr stur und kämpferisch ist, aber auch humorvoll und sensibel für die Gefühle und Bedürfnisse anderer. Auch zeigt der Film einen verletzlichen Menschen, der durchaus mit Ängsten zu kämpfen hat.

Trotz seiner Dissidentenrolle ist Ai Weiwei beileibe kein Mann ohne Furcht, der mit dem Kopf gegen die chinesische Mauer staatlicher Unterdrückung rennt, ohne dabei Schmerz zu spüren, im Gegenteil; er hat sehr viele Sorgen und Ängste, um sich, um seine Familie, um seine Freunde und Helfer. Aber er besitzt auch einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn und eine tiefliegende Liebe zu China. Vielleicht ist das der Grund, warum er trotz vieler Einschüchterungsversuche mit seiner Arbeit fortfährt, er kann gar nicht anders angesichts der allzu oft ungerechten und häufig menschenverachtenden Obrigkeit in seinem Heimatland China.

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