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007 Skyfall – Der beste Bond aller Zeiten?

Oldtimer unter sich?

Oldtimer unter sich?

Keine Filmreihe hat so viele Jahre auf dem Buckel wie die Streifen um den smart-charmanten MI-6 Agenten James Bond. Ob er seine Lizenz zum Töten überhaupt noch verdient, oder eher ins Altersheim gehört, klärt unsere Filmrezension zum neuesten Bond: Skyfall.

Ein Mann, ein Tunnel, ein Schuss; Blut läuft langsam die Leinwand runter. Ganz klar – Bond ist wieder da! Nach vier Jahren Pause kehrt der wieder Aston Martin fahrende Spion endlich auf die große Leinwand zurück.

Genau 50 Jahre sind ins Land gezogen, seit mit “James Bond jagt Dr. No” Sean Connery die Ära des britischen Superspions offiziell begründete. Insgesamt 23 Filme zählen mittlerweile zur aktuellen Bond-Reihe, sechs verschiedene Agenten mit der Lizenz zum Töten, vom eben genannten Connery über den verschmähten George Lazenby, Roger Moore und Co., machten dabei mittlerweile Jagd auf Bösewichte. Und nun ist, zum dritten Mal in Folge, der 44-jährige Brite Daniel Craig (Layer Cake; Cowboys & Aliens) an der Reihe, das Empire vor Terroristen zu schützen. Die Filme zuvor, namentlich das Remake des Klassikers Casino Royale und die verfilmte Fleming-Kurzgeschichte Ein Quantum Trost, zwei Filme, die tatsächlich aufeinander aufbauten, waren allerdings recht kontrovers in die Diskussion geraten – schließlich zeigten sie einen Bond von Rache und Wut übermannt, wild um sich schießend und seine so geliebten Prinzipien über Bord werfend. Ein Novum in der Serie, und ein offenkundiger Bruch mit der vorherrschenden Erzählweise – schließlich erwartete man einen smarten und charmanten Briten mit braunen Haaren und keinen blauäugigen Actionhelden in bester Schwarzenegger-Manier. Mit Sam Mendes (bekannt vor allem durch seine Regie bei “American Beauty”) auf dem Regie-Stuhl sollte sich das allerdings wieder ändern. Und tatsächlich schuf man mit Skyfall, lose übersetzt “Himmelssturz”, endlich wieder einen Bond, wie man ihn kennt und liebt: Charmant, mit einer brise Selbstironie und Witz. Man könnte sich schon fast an alte Zeiten erinnert fühlen, wären da nicht die offenkundigen Sticheleien gegen die alten Ideale. Der neue Q(uarter Master), gespielt von Ben Wishaw (Das Parfüme), bringt es dabei direkt beim ersten Treffen mit Bond auf den Punkt: “Was haben Sie erwartet? Explodierende Stifte bauen wir nicht mehr.“. Und damit muss man sich, so sehr es im Hinblick auf die früheren Filme auch schmerzen mag, endlich einmal abfinden. Der Kalte Krieg, eigentlich das Thema der originalen Bondbücher, ist längst Geschichte. Und bei Sony, dem Geldgeber für den insolventen “Metro Goldwyn Mayer”-Konzern, scheint man das auch erkannt zu haben.

Also doch nicht wieder alles beim Alten? Gewiss nicht: Bond, so wie er zum letzten Mal mit Pierce Brosnan auf der Leinwand zu sehen war, wird es in der Form wohl nicht mehr geben. Man hat bereits mit Casino Royale gezeigt, dass man sich wieder mehr auf die Person konzentrieren möchte, die sich Fleming für den smarten MI-6 Agenten auch ausgedacht hatte. In diesem Sinne waren die vorherigen beiden Craig-Teile auch tatsächlich näher dran am Original als kein Bond jemals zuvor – auch wenn dies für manch einen, der die Bücher nicht gelesen hat, kaum zu glauben ist.

Story-technisch ist man jedenfalls auch im 21. Jahrhundert angekommen und verabschiedet sich von den allzu unglaublichen Konstrukten früherer Teile. Kein Super-Spiegel, der die Welt erhitzen soll, kein Dr. No, der die Weltherrschaft mit Nuklearraketen an sich reißen möchte. Vielmehr greift man mit dem Schurken und ehemaligen Doppelnull-Agenten “Silva” (gespielt von Javier Bardem, bekannt aus “No Country For Old Men”) und seinem Cyber-Terrorismus ein top-aktuelles Thema auf, und präsentiert ihn als einen Joker ohne Schminke, aber mit Prinzipien, der die Welt zugrunde gehen sehen möchte. Dabei reagiert er ähnlich rücksichtslos, ziemlich obsessiv und wirkt dabei auch noch ausgesprochen gruselig. Man hat sich an dieser Stelle ganz eindeutig an Heath Ledgers großem Auftritt in The Dark Knight orientiert und sich davon inspirieren lassen, aber den Bösewicht mit Bardem fantastisch besetzt und in die Story eingebunden. Ohne Übertreibung sicherlich einer der besten Bösewichte der letzten Jahre, und ganz eindeutig der rücksichtsloseste, den Bond jemals zur Strecke bringen musste.

Ebenfalls in bester Bond-Manier sind einmal mehr die Schauplätze. Wer bei den großartigen Sets, allen voran Shanghai, nicht sofort Lust auf Urlaub bekommt, dem kann nicht weiter geholfen werden. Set-Design, Beleuchtung und Co. passen perfekt und wirken edel wie eh und je.

Ist Skyfall mit der Startnummer 23 also die absolute Numero Uno? Geht es nach den vorigen zwei Filmen mit Daniel Craig in der Hauptrolle, dann ganz bestimmt. Für alle anderen gilt: Wer den Fleming-Bond in den Büchern schon immer bevorzugt hat, wird hier auf keinen Fall enttäuscht. Alle anderen werden mit dem neuen Bond sicherlich wieder ein Stückchen versöhnlicher gestimmt und mit Hoffnung auf den nächsten Bond warten. Denn der kommt bestimmt: “James Bond will return” kullerte am Ende wieder die Leinwand hinab – angeblich bereits in 2014.

 

Filminfos:

“James Bond 007 – Skyfall”

Kinostart: 01. November 2012

Regie: Sam Mendes

Darsteller: Daniel Craig / Javier Bardem / Judi Dench / Ralph Fiennes

 

Text: Moritz Schwertner

Foto: pt

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